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Erste Ergebnisse der Evaluation...

Bildung beginnt mit der Sinneswahrnehmung

1. Die Sinnesorgane als Schnittstelle
Die Sinnesorgane sind die Schnittstelle zwischen dem Schüler und seiner Umwelt. Nur über die Sinne wird die Welt wahrgenommen und Informationen aufgenommen.

  • Das visuelle System (Auge) gibt einen Überblick über die Umwelt (der Blick in die Ferne) und liefert auch Informationen über kleine Details (z. B. die Beschriftung der Handytastatur). Viele Informationen sind in unserer Lebenswelt visuell kodiert, z. B. durch Schriftzeichen.
  • Das auditive System (Ohr) ermöglicht eine 360°-Kontrolle der Umwelt und informiert auch über die Dinge, die sich hinter dem eigenen Rücken abspielen. Zudem ist das Ohr das Hauptkommunikationsorgan.
  • Das vestibuläre System (Gleichgewichtsorgan) kontrolliert die eigenen Position gegenüber der Umwelt und hilft sich in der Welt zu bewegen und die Welt zu bewegen (Motorik)
2. Die Sinnesorgane und der Lernprozess
Die Sinnesorgane spielen eine entscheidende Rolle im Lernprozess:
  • Ein Kind kann nur das aufnehmen und lernen, was es durch seine Sinnesorgane wahrnimmt.
  • Beispiel: Auge – Tafelanschrieb, Dinge, die ein Kind nicht oder nicht richtig sieht, kann es nicht fehlerfrei abschreiben und aufnehmen
  • Ohr – Diktat: Wer akustisch z. B. die Worte „Haus“ und „Maus“ nicht auseinanderhalten kann, wird diese im Diktat nicht fehlerfrei schreiben können. Auch die Sprachentwicklung hängt eng mit der auditiven Wahrnehmung zusammen. Sprechen lernen und sprechen sind von der auditiven Rückkopplung abhängig, d. h. ein Kind muss hören können, was es selber spricht.
  • Verluste an der sensorischen Schnittstelle führen zu nicht zu unterschätzenden Defiziten.
  • Gerade beim Lernprozess ist die unbeeinträchtigte Wahrnehmung von Details entscheidend  (Haus – Maus).
3. Screening und Prävention
Entscheidend ist eine frühzeitige Erkennung von Schäden, um die negativen Konsequenzen zu begrenzen:
  • Die Erkennung von Beeinträchtigungen des sensorischen Systems ist notwendig, um Kindern die Chance zu geben, den Lernstoff ohne Schnittstellenverluste aufzunehmen.
  • Geeignete Maßnahmen helfen, die Folgen einer Schädigung zu mindern:
    - Hilfsmittelversorgung: Brille, Hörgerät
    - Platzierung im Klassenraum
    - raumakustische Maßnahmen
    - Sensibilität gegenüber Schäden
  • Sozial benachteiligte Kinder sind besonders betroffen, da Schäden oft erst spät erkannt und nur suboptimal versorgt werden.
    Die Früherkennung von Hör- und Sehschäden und eine gute Versorgung mit Hilfsmitteln sind wichtige Bausteine für die Entwicklung des Kindes und für eine faire Chance im Bildungssystem.
4. Das Projekt Schnecke
Im Frühjahr/Sommer 2007 wurde das interdisziplinäre Projekt Schnecke gestartet:
Hör- Seh- und Gleichgewichtsprüfungen wurden bei 3338 Schülerinnen und Schülern an 10 hessischen Schulen durchgeführt, dazu eine schriftliche Befragung zu Hör- und Sehgewohnheiten und bekannten Sinnesbeeinträchtigungen.Die Fragestellungen:
  • Wie häufig sind Störungen des Seh- Hör- und Gleichgewichtssystems bei hessischen Schülern?
  • Welche Faktoren begünstigen Störungen der Sinnesorgane?
    (medizinische Aspekte, soziale Faktoren, Umwelteinflüsse…)
  • Welche Konsequenzen haben Beeinträchtigungen des sensorischen Systems auf Schulleistungen?
  • Wie ist das akustische Umfeld in den Schulen?
  • Präventiver Ansatz: Hessischer Wahrnehmungspass, Sensibilisierung durch Lärmscouts und Schallmessungen
Die Ergebnisse:Die Reihenuntersuchungen im Projekt Schnecke wiesen zahlreiche Beeinträchtigungen bei Schülern nach:
  •  9% der getesteten Schüler im Alter von 5 bis 18 Jahren haben einen Hörverlust von mindestens 20 dB HL bei mind. einer Frequenz
  •  Ein Augenarztbesuch wurde bei 8% der Schüler empfohlen
  •  4% der Kinder waren beim Gleichgewichtstest auffällig oder stark auffällig
  • Es gibt deutliche Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem Sozialstatus und der Häufigkeit von Hörschäden
    Kinder, die ein Instrument spielen, haben nur halb so häufig einen Hörschaden im Vergleich zur nicht musizierenden Vergleichsgruppe
  • Bildungschancen wahren heißt Schäden erkennen und vermeiden.
  • Wichtig ist eine frühzeitige Diagnose von Beeinträchtigungen und eine breit angelegte Prävention vermeidbarer Schäden.
  • Kindliche Hörschäden sind eine Hypothek für das gesamte Leben!
  • Notwendig ist die Gestaltung einer sinnesfreundlichen Lernumgebung in den Schulen
  • Benachteiligte Kinder sollten beim Screening und der Prävention besonders ins Blickfeld rücken, da diese oft an mehreren Fronten benachteiligt sind.
Kontakt:
Prof. Dr. med. Eckhard Hoffmann
Hochschule Aalen
Studiengang Augenoptik und Hörakustik
Eckhard.Hoffmann@htw-aalen.deWeitere Informationen:

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1. Veranstaltung

Ergebnisdateien:

Evaluation
Grundschüler
Mathematik
Deutsch
Sport

Hörtest
Sehtest
Gleichgewicht 1
Gleichgewicht 2
Sozialfaktoren
Lehrer

Fazit